Studie Bildungsbeteiligung von Kindern und Jugendlichen in unsicheren Aufenthaltsverhältnissen

In diesem Projekt untersuchten wir die Schwierigkeiten und Hürden aber auch die Erfolge in den Bildungs- und Ausbildungsverläufen von Jugendlichen in unsicheren Aufenthaltsverhältnissen. Die Untersuchung wurde gefördert durch die Robert-Bosch-Stiftung.

Die ungleichen Bildungschancen zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund in der Bundesrepublik sind inzwischen vielfach konstatiert worden. Die Benachteiligung im Schulsystem setzt sich im Übergang zwischen Schule und Beruf fort. Ein wichtiger Aspekt, der die individuellen Bildungschancen entscheidend mitbestimmt, und der bislang in der Bildungsforschung kaum berücksichtigt wurde, ist der Aufenthaltsstatus. Jugendliche in unsicheren Aufenthaltsverhältnissen unterliegen zusätzlichen Beschränkungen etwa durch Ausbildungs- und Arbeitsverbot, die insbesondere den Übergang ins Berufsleben erschweren oder gänzlich unmöglich machen. Angesichts des allseits konstatierten drohenden Fachkräftemangels wurden eine Reihe von rechtlichen Lockerungen für junge Geduldete eingeführt, bisher ist aber nicht bekannt, inwieweit diese Neuerungen in der Praxis greifen und tatsächlich eine Veränderung der Situation bewirken.

Ziel des Projekts war es,

  • mithilfe von fünf regionalen Fallstudien insbesondere die Situation von Jugendlichen mit Duldungsstatus im Übergang zwischen Schule und Beruf zu untersuchen,
  • Ansätze guter Praxis in den Kommunen zu identifizieren und auf dieser Basis
  • die Entwicklung und Umsetzung von Strategien anzustoßen, die auch Jugendlichen in unsicheren Aufenthaltsverhältnissen eine gleichberechtigte Teilhabe am (Aus)Bildungssystem ermöglichen.

Dafür wurden zum einen mittels Dokumentenanalyse (Gesetzestexte, Verwaltungsvorschriften, Appelle und Dokumentationen von Verbänden und Initiativen) die rechtlichen Rahmenbedingungen analysiert. Zum anderen wurde die Umsetzung der Vorschriften vor Ort mithilfe von Expert/innen-Interviews mit einschlägigen lokalen Akteuren untersucht. Die konkreten Auswirkungen auf die (Aus)Bildungssituation von geduldeten Jugendlichen wurden schließlich mittels Leitfaden gestützten problemzentrierten Interviews mit jungen Geduldeten beleuchtet.

Neben dem praxisorientierten Ziel die verantwortlichen Akteur/innen zu sensibilisieren und Anregungen für eine gleichberechtigtere Teilhabe von Jugendlichen in unsicheren Aufenthaltsverhältnissen bereitzustellen, sollte die Untersuchung auch Aufschluss über die Rolle prekärer Aufenthaltsstatus im politischen Prozess und als migrationspolitisches Instrument geben.

Veröffentlichungen

Aus dem Projekt zum Übergang von Jugendlichen mit unsicherem Aufenthaltsstatus von der Schule in den Beruf ist folgender Zeitschriftenartikel hervorgegangen:
MÜLLER, D. & NÄGELE, B. (2014). Ausbildung und Aufenthalt – Fachkräfte der Sozialen Arbeit als Schlüsselpersonen für Jugendliche in unsicheren Aufenthaltsverhältnissen. Migration und soziale Arbeit, 36, 4, S. 328-335

Broschüre „Chancen für junge Menschen in unsicheren Aufenthaltsverhältnissen – die Hürden kennen und überwinden“ (download 3 MB PDF)

Forschungsbericht „Jugendliche in unsicheren Aufenthaltsverhältnissen im Übergang Schule-Beruf“ (download 1,3 MB PDF)

Gefördert von

rbs

Ansprechpartnerinnen: Sandra Kotlenga und Barbara Nägele