Umgangsrecht und Gewaltschutz

Zoom – Gesellschaft für prospektive Entwicklungen e.V. führt von November 2021 bis Dezember 2022 ein bundesweites Forschungsvorhaben zum Thema Umgangsrecht und Gewaltschutz durch. Der volle Tietel lautet: „Lokale Strukturen und spezifische Verfahren zur systematischen Berücksichtigung häuslicher Gewalt bei Sorge- und Umgangsregelungen und in familiengerichtlichen Verfahren – Bestandsaufnahme existierender Ansätze und vertiefende Fallstudien“. Gefördert wird dies im Rahmen des Bundesinnovationsprogramms „Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen“ durch das BMFSFJ.

Hintergrund und Zielsetzung

Gemäß Art. 31 „Sorgerecht, Besuchsrecht und Sicherheit“ der Istanbul-Konvention sollen die Vertragsstaaten sicherstellen, dass „gewalttätige Vorfälle bei Entscheidungen über das Besuchs- und Sorgerecht“ berücksichtigt werden, zum anderen „dass die Ausübung des Besuchs- oder Sorgerechts nicht die Rechte und die Sicherheit des Opfers oder der Kinder gefährdet“. Viele Befunde aus Praxis und Forschung – u.a. von Zoom e.V. – weisen auf das „ungelöste Dilemma“ zwischen Umgangsrecht und Gewaltschutz hin, sowohl im Bereich der Umgangsregelungen als auch bei der Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes.

Auf lokaler Ebene haben Familiengerichte und Jugendämter – in Kooperation mit Gewaltschutzeinrichtungen und anderen Dritten – vereinzelt Verfahren entwickelt, um häusliche Gewalt bei der Gestaltung von Umgang und Sorge systematisch zu berücksichtigen. Mit dem aktuellen Projekt soll eine bundesweite Erhebung solcher Ansätze und eine detaillierte Analyse lokaler Fallbeispiele durchgeführt werden.

Umsetzungskonzept

Das Projekt beinhaltet drei Teile: Eine bundesweite Bestandsaufnahme zur Identifikation und Typisierung bestehender Ansätze (I), darauf aufbauend sechs lokale Fallstudien zu Umsetzungserfahrungen und -bedingungen (II) und eine bundesweite Fachtagung zur Diskussion und Verbreitung der Ansätze bzw. der Forschungsbefunde (III).  

I. Bundesweite Bestandsaufnahme und Typisierung (Dezember 2021 bis März 2022)

Standorte mit spezifischen Verfahren für Fälle häuslicher Gewalt im Kontext von Umgangs- und Sorgerechtsregelungen sollen mit einer bundesweiten Online-Erhebung identifiziert werden. Hierzu werden bundesweit alle Amtsgerichte angeschrieben. Auch über Netzwerke und Verbände im Bereich Gewaltschutz, Kinderschutz und bei kommunalen Jugendämtern sollen Abfragen zu bekannten Beispielen erfolgen.

II. Vertiefende Fallstudien (Dezember 2021 bis September 2022)

Zur vertiefenden Analyse bestehender Verfahren werden sechs Fallstudien an Beispielstandorten durchgeführt. Die Fallstudien sollen Auskunft über Entstehungshintergründe, Umsetzungspraxis sowie förderliche und hinderliche Bedingungen der untersuchten Ansätze geben. Pro Standort werden qualitative Interviews mit Familienrichter*innen, Fach- und Führungskräften aus Jugendämtern, Gewaltschutzeinrichtungen und weiteren beteiligten Institutionen durchgeführt.

III. Bundesweite Fachtagung zur Diskussion und Verbreitung der Befunde (Ende 2022)

Die Fachtagung soll einen Beitrag zur fachpolitischen Debatte und zur Verbreitung erfolgsversprechender Ansätze zu leisten.

Die Fachtagung Lokale Ansätze zur Berücksichtigung häuslicher Gewalt bei der Regelung von Sorge und Umgang findet am 15.12.2022, 10 bis 16 Uhr statt. Tagungsort ist das BMFSFJ in Berlin. Eine Online-Teilnahme ist möglich.

Mehr Informationen zur Tagung, Organisation und zum Programm können Sie hier als PDF downloaden.

Die Anmeldung zur Tagung ist unter dem folgenden Link möglich: http://anmeldung.zoom-ev.de

Bei der Abschlusstagung des vom BMFSFJ geförderten Forschungsprojekts geht es darum, wie durch lokale Ansätze und vernetzte Strukturen bei Sorge- und Umgangsregelungen und in familienrechtlichen Verfahren Gefährdungslagen aufgrund von häuslicher Gewalt besser berücksichtigt werden können. Zentrale Befunde einer bundesweiten Bestandsaufnahme und vertiefender lokaler Untersuchungen werden vorgestellt und unter Beteiligung verschiedener Professionen soll ausgelotet werden, welche Potenziale und Grenzen solche lokalen Ansätze und Elemente haben und welche Rahmenbedingungen dafür erforderlich sind.

Ansprechpartnerin: Sandra Kotlenga