IPVoW – Intimate partner violence against older women

In diesem zweijährigen Forschungsprojekt wurde die Situation älterer Frauen in den Blick genommen, die Opfer von Gewalt in Partnerschaften werden. 7 Partnerorganisationen aus 6 Ländern mit unterschiedlichen Welfare-Regimen und verschiedenen Traditionen im Geschlechterverhältnis haben in den Jahren 2009 und 2010 zum Thema geforscht und Empfehlungen für nationale und europäische Politikgestaltung und die Anpassung sozialer Dienste an die Bedürfnisse älterer Opfer von häuslicher Gewalt erarbeitet. Beteiligt waren die Universität Bialystok in Polen, die Akademie der Wissenschaften in Ungarn, die Universität Sheffield im UK, das Institut Cesis in Portugal, das Institut für Konfliktforschung e.V. in Österreich, die Deutsche Hochschule der Polizei (Projektleitung Prof. Thomas Görgen) und Zoom – Gesellschaft für prospektive Entwicklungen e.V. in Deutschland.

In einem ersten Schritt wurden in jedem Land auf nationaler Ebene verfügbare Daten von Frauenhäusern, Beratungseinrichtungen, Opferhilfeinstitutionen sowie Interventionssystemen bei häuslicher Gewalt und bestehende Statistiken von Polizei, Justiz und Gesundheitsdiensten im Hinblick auf die Altersstruktur der registrierten Opfer von Partnerschaftsgewalt zusammengetragen und ausgewertet. Dies zielte zum einen darauf, einen ersten Überblick über das Ausmaß zu erhalten, in welchem ältere Opfer häuslicher Gewalt bestehende Hilfeeinrichtungen in Anspruch nehmen. Zum anderen sollte überprüft werden, ob vorliegende Daten eine solche Aussage überhaupt ermöglichen. In einem zweiten Schritt wurden im jeweiligen Land ca. 250 Einrichtungen, an die sich ältere Opfer von Partnergewalt möglicherweise wenden könnten mittels eines standardisierten schriftlichen Fragebogens befragt. Dabei sollte institutionelles Wissen über das Phänomen und den Umgang der Institutionen mit solchen Fällen erhoben werden. Die Befragung wurde als Screening-Instrument verwendet, um Institutionen mit fundierter Fallkenntnis ausfindig zu machen. In jedem Land sollten in einem nächsten Schritt 30 Personen aus solchen Institutionen mit Fallkenntnis mittels Interviews befragt werden. Auf der Grundlage der schriftlichen und mündlichen Befragung sollten im weiteren Verlauf 10 ältere weibliche Opfer von Partnergewalt interviewt werden. In den Leitfadeninterviews mit den älteren Opfern und den MitarbeiterInnen der Opferschutzeinrichtungen sollten Charakteristika von Opfern und Tätern, Risikofaktoren und protektive Faktoren, Ursachen, Dynamiken und Kontexte von Partnergewalt im Alter im Detail erfragt werden. Besonderes Augenmerk sollte auf das Hilfesuchverhalten der älteren Frauen, bestehende Hindernisse der Inanspruchnahme von Hilfe und Lücken im bestehenden Hilfesystem gelegt werden.

Die Partner wurden in enger Kooperation mit auf nationaler Ebene tätigen (Dach-)Organisationen zum Thema häusliche Gewalt, Gewalt im Alter, Seniorenpolitik, Polizei, Gesetzgebung und Politik nationale Empfehlungen zum Umgang mit der Thematik erarbeitet. Im Rahmen eines internationalen Workshops wurden im Jahr 2010 die Ergebnisse auch mit ExpertInnen aus nicht beteiligten EU-Ländern diskutiert. Auf dieser Grundlage wurden auf die EU-Ebene zielende Empfehlungen entwickelt.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes sind in 6 nationalen Berichten (auf Englisch und in den Landessprachen) und einem übergreifenden Bericht (Englisch) auf der IPVoW Homepage downloadbar.

IPVoW Homepage ist online
Die Homepage des Projekts IPVow ist online. Hier sind ab Januar 2011 die Berichte der Partner in den Landessprachen und auf Englisch sowie ein zusammenfassender Bericht abrufbar.
Zur Homepage

Die deutsche Studie „Partnergewalt gegen ältere Frauen“ ist als Buch im Verlag für Polizeiwissenschaft erschienen (26.80 Euro, 328 Seiten). Infos unter www.polizeiwissenschaft.de. Bestellungen auch per Email an verlag@polizeiwisssenschaft.de

Mind the Gap! Improving intervention in intimate partner violence against older women
In diesem Projekt, das wie das Vorgängerprojekt Intimate Partner Violence against older Women (IPVoW) von der Europäischen Kommission im Rahmen des Daphne III Programms gefördert wurde, wurden auf der Grundlage der Ergebnisse von IPVoW und von Polizeiaktenanalysen Materialien (PR-Material, Broschüren) und Trainings für die Polizei und soziale Dienste für eine verbesserte Zielgruppenansprache und Fallbearbeitung entwickelt. (Laufzeit 03/2011-02/2013) Die Produkte des Projekts sind alle über www.ipvow.org downloadbar.

Ansprechpartnerin: Barbara Nägele