Gewalt im sozialen Nahraum

In diesem Themenfeld fokussieren wir auf Formen und Dynamiken geschlechtsbezogener Beziehungsgewalt sowie auf Gewalt im sozialen Nahraum im Kontext von Alterungsprozessen und alternsbezogenen Belastungen. Wir verbinden sozialwissenschaftliche und kriminologische Analysen zu familiärer Gewalt und Gewalt gegen Frauen unter Nutzung von Ansätzen aus der Geschlechterforschung, teilweise auch der Gerontologie. Gewalt im sozialen Nahraum sehen wir dabei sowohl als prozessuales, interaktives Geschehen als auch im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Strukturen und Machtverhältnissen.

Ein Schwerpunkt unserer Forschungen liegt auf der Analyse der Erfahrungen von Betroffenen in und mit dem institutionellen Hilfe- und Unterstützungssystem sowie den Strukturen und Maßnahmen des polizeilichen und gesetzlichen Gewaltschutzes. In den letzten Jahren haben wir hierzu v.a. in Europäischen Projektkooperationen umfangreiche qualitative Erhebungen durchgeführt und dabei unterschiedliche Perspektiven aus Polizei, Justiz und Gewaltschutz sowie von Betroffenen einbezogen. Neben der Analyse von Gewalt-Phänomenen und -dynamiken einerseits, Strukturen und Prozessen des Hilfesystems und des Gewaltschutzes andererseits, liegt ein Schwerpunkt unserer Arbeit darauf, Fachkräfte aus Polizei, Justiz, Unterstützungs- und Hilfesystemen für Schutz- und Unterstützungsbedarfe von Betroffenen von Gewalt im sozialen Nahraum zu sensibilisieren und den interdisziplinären Austausch zu fördern.

In dem Themenfeld Gewalt im sozialen Nahraum kooperieren wir seit vielen Jahren mit Prof. Dr. Thomas Görgen von der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster-Hiltrup. Erfahrungen von Mitarbeiterinnen von Zoom e.V. in der wissenschaftlichen Begleitung des vom BMFSFJ geförderten Modellprojekts „Gewalt gegen ältere Menschen im persönlichen Nahraum“ (1998 bis 2001) und die Untersuchung „sexuelle Viktimisierung im Alter“ (2004) verdeutlichen die Notwendigkeit eines interdisziplinären Blicks unter Einbezug sozialwissenschaftlicher, kriminologischer und gerontologischer Herangehensweisen. Weiter beteiligten wir uns in Kooperation mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. und der Deutschen Hochschule der Polizei an der Durchführung und Auswertung einer umfangreichen Interviewstudie zu Gewalt in Pflegebeziehungen älterer Menschen im Rahmen des vom BMFSFJ geförderten Forschungsprojektes „Kriminalität und Gewalt im Leben alter Menschen“ (2005 bis 2008).

2008 – 2013 untersuchten wir in zwei EU-geförderten europäischen Projekten das Thema Partnergewalt im Alter und haben die gewonnenen Befunde für Akteurinnen und Akteure aus der Praxis nutzbar gemacht (Projekte: „Intimate Partner Violence against older Women – IPVoW“ und „Mind the Gap!“). Im Forschungsverbund mit teilweise den gleichen Partnerorganisationen erforschten wir von 2014 bis 2016 Erfahrungen gewaltbetroffener Frauen als Opferzeuginnen im Strafverfahren und entwickelten Empfehlungen für die Praxis der Umsetzung der Europäischen Opferschutzrichtlinie in Deutschland (Projekt: „INASC – Improving Needs Assessement and Victims Support in Domestic Violence Related Proceedings“). Um Lücken und Umsetzungsdefizite im Gewaltschutz für Betroffene häuslicher Gewalt mit besonderen Schutz- und Unterstützungsbedarfen ging es im europäischen Projekt SNaP (Special Needs and Protection Orders). Die Forschungsergebnisse und ein Strategiepapier wurden Ende 2016 veröffentlicht.

Aktuelle Projekte zum Thema:

Abgeschlossene Projekte zum Thema:

  • Bedarfsanalyse und -planung zur Weiterentwicklung des Hilfesystems zum Schutz vor Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt
    Zoom e.V. führt gefördert vom Sozialministerium Niedersachsen eine Untersuchung des Bedarfes und der Vernetzung der Frauenhäuser im ländlichen Raum durch. Im Zentrum des Projekts steht eine Befragung von Bewohnerinnen von Frauenhäusern und Fachkräften aus dem lokalen Hilfesystem. Weitere Elemente sind die Durchführung einer Fachtagung und die Erarbeitung von Handlungsempfehlungen. (Laufzeit 08/2018-06/2019)
  • Evaluation eines Projekts des Frauenhauses Espelkamp
    Im Auftrag des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter in Nordrhein-Westfalen führte Zoom e.V., gemeinsam mit der Deutschen Hochschule der Polizei, die Evaluation des Modellprojekts „Richtungswechsel: Sichtbar-Sicher-Selbstbestimmt“ des Hexenhauses Espelkamp durch. (Laufzeit 04/2015-04/2017)
  • SNaP – Special Needs and Protection Orders
    Um Lücken und Umsetzungsdefizite im Gewaltschutz für Betroffene häuslicher Gewalt mit besonderen Schutz- und Unterstützungsbedarfen ging es im Projekt SNaP (Special Needs and Protection Orders). Das Projekt wurde von der Europäischen Kommission im Rahmen des Daphne-Programms und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Thema des Projektes waren polizeiliche und gerichtlich verfügte Schutzmaßnahmen und -anordnungen, wie sie im Gewaltschutzgesetz (GewSchG) und in der Novellierung der Polizeigesetze der Länder geregelt sind, und ihre Anwendbarkeit auf und Auswirkungen auf spezifisch vulnerable Opfer von häuslicher Gewalt, wie z.B. Frauen mit Behinderungen und geflüchtete Frauen und Frauen mit Kindern. (Laufzeit 10/2014-09/2016)
  • INASC – Improving Needs Assessment and Victim’s Support in Domestic Violence Related Criminal Proceedings
    Individuell bedarfsorientierte Unterstützung der Opfer von Partnergewalt durch Polizei und Justiz. Das durch die Generaldirektion Justiz der Europäischen Kommission kofinanzierte Projekt INASC zielte darauf ab, Erfahrungen von Opfern häuslicher Gewalt im Prozess von Ermittlungsverfahren, Gefahrenabwehr und Strafverfahren besser zu verstehen und Zusammenhänge zwischen solchen Erfahrungen, einzelfallbezogenen Beurteilungsprozessen, der Verfügbarkeit von Schutz und Unterstützung und dem Fallausgang zu analysieren. Mit den gewonnenen Studienergebnissen und einer darauf aufbauenden Handreichung zur Umsetzung der Opferschutzrichtlinie wurde ein Beitrag zur besseren Unterstützung von Opferzeuginnen durch Polizei, Justiz und Facheinrichtungen geleistet. Koordiniert wurde das Projekt von Cesis aus Portugal, beteiligt waren Partnerorganisationen in Irland, Österreich, den Niederlanden und Deutschland. (Laufzeit 03/2014-03/2016)
  • Mind the Gap! Improving intervention in intimate partner violence against older women
    In diesem Projekt, das wie das Vorgängerprojekt Intimate Partner Violence against older Women (IPVoW) von der Europäischen Kommission im Rahmen des Daphne III Programms gefördert wurde, wurden auf der Grundlage der Ergebnisse von IPVoW und von Polizeiaktenanalysen Materialien (PR-Material, Broschüren) und Trainings für die Polizei und soziale Dienste für eine verbesserte Zielgruppenansprache und Fallbearbeitung entwickelt. (Laufzeit 03/2011-02/2013) Die Produkte des Projekts sind alle über www.ipvow.org downloadbar.
  • IPVoW – Intimate partner violence against older women
    In diesem EU-geförderten internationalen Forschungsprojekt wurde von sieben Organisationen in sechs Ländern die Situation älterer Frauen als Opfer von Partnergewalt in den Blick genommen. (Laufzeit 2009-2010)
  • Fachtagung „Wehrlos im Alter? Strategien gegen Gewalt in engen persönlichen Beziehungen älterer Menschen“
    Am 15. Juni 2006 (dem „World Elder Abuse Awareness Day“) führte das Kriminologischen Forschungsinstitut (Dr. Thomas Görgen) und Zoom – Gesellschaft für prospektive Entwicklungen e.V. mit Förderung durch das BMFSFJ in Hannover eine Fachtagung zum Thema „Wehrlos im Alter? – Strategien gegen Gewalt in engen persönlichen Beziehungen älterer Menschen“ durch.

Ansprechpartnerinnen: Barbara Nägele und Sandra Kotlenga